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Atom-"Müll" wird Mangelware

1959 (aktualisiert am 19. Juli 2004)

une trouvaille

In der Zeitschrift "Zivilschutz" * VI/1959, November-Dezember 1959, lese ich auf Seite 106 den von "pp" gezeichneten Text und schreibe ihn wortgetreu ab:

Atom-"Müll" wird Mangelware

" Die Kautschukindustrie wird in absehbarer Zeit Autoreifen nicht mehr mittels Schwefel vulkanisieren, sondern den Kautschuk strahlenchemisch behandeln. Diese schwefelfreien Reifen haben eine bedeutend höhere Abriebfestigkeit und grössere Lebensdauer als die mit Schwefel vulkanisierten. - Sehr aussichtsreich ist die strahlenchemische Konservierung vieler Lebensmittel. Die ältern Verfahren - Pökeln, Gären, Luftabschluss und Tiefkühlung - sind zwar weit entwickelt, befriedigen aber nicht immer. Selbstverständlich sind die bestrahlten und dadurch nahezu unbegrenzt haltbar gemachten Lebensmittel völlig einwandfrei; ihre Nähr- und Wirkstoffe bleiben weitgehend erhalten. - In der Landwirtschaft, in der Forstwirtschaft, im Weinbau, bei der Erhaltung von Lagergetreide und Früchten aller Art wird die Vernichtung der verschiedensten Schädlinge durch das strahlende Erdgas Radiokrypton eine entscheidende Rolle spielen. Wenn man bedenkt, dass jährlich mehrere hunderttausend Tonnen Getreide durch tierische Schädlinge, vor allem Ratten und Mäuse, aufgefressen werden, wird deutlich, wie ungenügend die bisherigen Abwehrmassnahmen waren.

Allerdings ist die Forderung nach einer Massenvergiftung der Schädlinge so anspruchsvoll,
dass der gesamte Anfall an Kernabbrand kaum ausreichen wird, um genügend Radiokrypton zu gewinnen. Es müssen in Zukunft andere, noch ergiebigere Methoden für die Produktion von Isotopen gefunden werden, um die Nachfrage der verschiedenen Interessenten zu befriedigen. Jedenfalls lässt sich schon jetzt übersehen, dass praktisch der gesamte Kernabbrand nutzbringend verwendet werden kann und dass es völlig abwegig ist, von Atom-"Müll" zu sprechen.

Was schliesslich noch von der Auswertung des Kernabbrandes übrig bleibt, könnte eines Tages in Form von Atom-Briketts in Spezialöfen zur Dauerheizung grosser Räume verwendet werden. Ein Atom-Brikett würde für mehrere Heizperioden ausreichen. Seine Wärmeleistung wäre gut zu regeln und den Witterungsverhältnissen genau anzupassen. Der Atom-Heizofen befindet sich bereits in der Entwicklung.

Zahlreiche Industriefirmen verwenden und verarbeiten Radioisotope für ihre Erzeugnisse, für die Verbesserung ihrer Prüfinstrumente und für die Überwachung und Auswahl der verschiedenen Rohstoffe und Werkstoffe. So werden z.B. Geräte zum Prüfen und Messen von Dicken und Oberflächen mittels Isotopen hergestellt, ferner Füllstandmesser (Geräte zur Materialdurchleuchtung und wissenschaftliche Instrumente und Anlagen zur Durchführung medizinischer, chemischer und physikalischer Forschungen und Versuchsreihen. Gerade die wissenschaftliche Forschung wird unter Verwendung von Radioisotopen zu weiteren, .. ganz neuen Erkenntnissen gelangen und damit die Grundlagen zur Förderung und Errichtung grosstechnischer Produktionsanlagen immer mehr verbreitern und verstärken.

Erst wenn es so weit ist, dass die Isotope aus dem Zustand der wissenschaftlichen Forschung in die Industrie, in die Produktion einmünden und deren Ansprüche voll befriedigen, wird allerdings der damit erzielte technische Fortschritt auf den vorbezeichneten Gebieten voll erkannt werden. Man möge nur daran denken, welche zusätzlichen Nahrungsmittel der Menschheit zur Verfügung stehen werden, wenn es gelingt, alle Schädlinge und Schmarotzer zu vernichten. Man möge sich daran erinnern, dass bestimmte Isotope das pflanzliche und tierische Wachstum beschleunigen und verstärken, dass sie Alterserscheinungen aufhalten, Wirkstoffe vermehren, schädliche Viren, pathogene und sporenbildende Bazillen bekämpfen und Gifte vernichten. Die hier angedeuteten Verwendungsmöglichkeiten für die radioaktiven Isotope stehen durchwegs im Zeichen des Friedens, der Vermehrung des Wohlstandes und der Gesundheitsförderung aller Menschen. An den Menschen ist es, zu entscheiden, wie das Atom eingesetzt werden soll! "
          pp

[ fett-hervorgehoben von nux ]

_______

Selbstverständlich wissen Radiokrypton und die Strahlen genau, was Nützlinge (zu schützen) und was Schädlinge (zu vernichten) sind, welche Duftstoffe und Aromen sie nicht verändern dürfen, welche Wirkstoffe sie erhalten oder vermehren müssen..          kk

* Die Zeitschrift "Zivilschutz" ist das Organ des Schweizerischen Zivilschutz-Verbandes, der eng mit dem Bundesamt für Zivilschutz in Bern liiert war.