| une trouvaille
In der Zeitschrift "Zivilschutz" * VI/1959, November-Dezember
1959, lese ich auf Seite 106 den von "pp"
gezeichneten Text und schreibe ihn wortgetreu ab:
Atom-"Müll" wird Mangelware
" Die Kautschukindustrie wird in absehbarer Zeit Autoreifen nicht
mehr mittels Schwefel vulkanisieren, sondern den Kautschuk strahlenchemisch
behandeln. Diese schwefelfreien Reifen haben eine bedeutend höhere
Abriebfestigkeit und grössere Lebensdauer als die mit Schwefel
vulkanisierten. - Sehr aussichtsreich ist die strahlenchemische Konservierung
vieler Lebensmittel. Die ältern Verfahren - Pökeln, Gären,
Luftabschluss und Tiefkühlung - sind zwar weit entwickelt, befriedigen
aber nicht immer. Selbstverständlich sind die bestrahlten und
dadurch nahezu unbegrenzt haltbar gemachten Lebensmittel völlig
einwandfrei; ihre Nähr- und Wirkstoffe bleiben weitgehend erhalten.
- In der Landwirtschaft, in der Forstwirtschaft, im Weinbau, bei der
Erhaltung von Lagergetreide und Früchten aller Art wird die Vernichtung
der verschiedensten Schädlinge durch das strahlende Erdgas Radiokrypton
eine entscheidende Rolle spielen. Wenn man bedenkt, dass jährlich
mehrere hunderttausend Tonnen Getreide durch tierische Schädlinge,
vor allem Ratten und Mäuse, aufgefressen werden, wird deutlich,
wie ungenügend die bisherigen Abwehrmassnahmen waren.
Allerdings ist die Forderung nach einer Massenvergiftung der Schädlinge
so anspruchsvoll, dass der gesamte
Anfall an Kernabbrand kaum ausreichen wird, um genügend Radiokrypton
zu gewinnen. Es müssen in Zukunft
andere, noch ergiebigere Methoden für die Produktion von Isotopen
gefunden werden, um die Nachfrage der verschiedenen Interessenten
zu befriedigen. Jedenfalls lässt sich schon jetzt übersehen,
dass praktisch der gesamte Kernabbrand
nutzbringend verwendet werden kann und dass es völlig abwegig
ist, von Atom-"Müll" zu sprechen.
Was schliesslich noch von der Auswertung des Kernabbrandes übrig
bleibt, könnte eines Tages in Form von Atom-Briketts in Spezialöfen
zur Dauerheizung grosser Räume verwendet werden. Ein Atom-Brikett
würde für mehrere Heizperioden ausreichen. Seine Wärmeleistung
wäre gut zu regeln und den Witterungsverhältnissen genau
anzupassen. Der Atom-Heizofen befindet sich bereits in der Entwicklung.
Zahlreiche Industriefirmen verwenden und verarbeiten Radioisotope
für ihre Erzeugnisse, für die Verbesserung ihrer Prüfinstrumente
und für die Überwachung und Auswahl der verschiedenen Rohstoffe
und Werkstoffe. So werden z.B. Geräte zum Prüfen und Messen
von Dicken und Oberflächen mittels Isotopen hergestellt, ferner
Füllstandmesser (Geräte zur Materialdurchleuchtung und wissenschaftliche
Instrumente und Anlagen zur Durchführung medizinischer, chemischer
und physikalischer Forschungen und Versuchsreihen. Gerade die wissenschaftliche
Forschung wird unter Verwendung von Radioisotopen zu weiteren, ..
ganz neuen Erkenntnissen gelangen und damit die Grundlagen zur Förderung
und Errichtung grosstechnischer Produktionsanlagen immer mehr verbreitern
und verstärken.
Erst wenn es so weit ist, dass die Isotope aus dem Zustand der wissenschaftlichen
Forschung in die Industrie, in die Produktion einmünden und deren
Ansprüche voll befriedigen, wird allerdings der damit erzielte
technische Fortschritt auf den vorbezeichneten Gebieten voll erkannt
werden. Man möge nur daran denken, welche zusätzlichen Nahrungsmittel
der Menschheit zur Verfügung stehen werden, wenn es gelingt,
alle Schädlinge und Schmarotzer zu vernichten. Man möge
sich daran erinnern, dass bestimmte Isotope das pflanzliche und tierische
Wachstum beschleunigen und verstärken, dass sie Alterserscheinungen
aufhalten, Wirkstoffe vermehren, schädliche Viren, pathogene
und sporenbildende Bazillen bekämpfen und Gifte vernichten. Die
hier angedeuteten Verwendungsmöglichkeiten für die radioaktiven
Isotope stehen durchwegs im Zeichen des Friedens, der Vermehrung des
Wohlstandes und der Gesundheitsförderung aller Menschen. An den
Menschen ist es, zu entscheiden, wie das Atom eingesetzt werden soll!
"
pp
[ fett-hervorgehoben von nux ]
_______
Selbstverständlich wissen Radiokrypton und die Strahlen genau,
was Nützlinge (zu schützen) und was Schädlinge (zu
vernichten) sind, welche Duftstoffe und Aromen sie nicht verändern
dürfen, welche Wirkstoffe sie erhalten oder vermehren müssen..
kk
* Die Zeitschrift "Zivilschutz" ist das Organ des Schweizerischen
Zivilschutz-Verbandes, der eng mit dem Bundesamt für Zivilschutz
in Bern liiert war.
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