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an den Generalstabschef der Schweizerischen Armee

nux-32 Mai 1984 (aktualisiert am 3. September 2004)

In der "nux" Nr.32 im Mai 1984 schrieb ich an den Generalstabschef der Schweizerischen Armee Korpskommandant Jörg ZUMSTEIN

Ein "Atom-Hysteriker" wehrt sich

Ihre Neujahrsbotschaft in der Neuen Zürcher Zeitung vom 31. Dezember 1983 war überschrieben:

„Richtige Modelle - falsche Schlüsse ? Fällige Bemerkungen zur Atomdiskussion“


Sie, Korpskommandant Zumstein, schrieben u.a.

„ . . . Verständnis für diese Ärzte und ihre Betroffenheit darf nicht darüber hinwegsehen lassen, dass hier sehr gefährliche Trugschlüsse vorprogrammiert sind, auch für die Verteidigung und die Sicherheitspolitik eines neutralen Kleinstaates, der auf Beschaffung und Einsatz von atomaren Mitteln verzichtet hat.

Sicherheitspolitische Nachwirkungen eines Reaktorzwischenfalls

Im Jahre 1980 war in der freien Welt und insbesondere auch in einigen europäischen Partnerländern der Nato eine eigentliche Atomhysterie ausgebrochen. Die Aufregung hatte ihren Ursprung in einem Zwischenfall in einem Kernkraftwerk bei Harrisburg (USA), wo ein Reaktor scheinbar ausser Kontrolle geraten war. Dieser Zwischenfall, bei dem übrigens niemand körperlich zu Schaden kam, kann heute in einer Modellanlage beim Eidgenössischen Institut für Reaktorforschung in Würenlingen nachvollzogen werden. Wer sich diese Simulation dort vorführen lässt, kann sich noch viel besser von der Unverhältnismässigkeit der öffentlichen Reaktionen auf diesen eher belanglosen Zwischenfall Rechnung ablegen. . "


Ich, "Atom-Hysteriker" Konradin Kreuzer, wehre mich mit meinem Brief:
Zumstein.pdf  210 KB

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Zum Thema Hysterie, insbesondere Atom-Hysterie notiere ich ein paar Stimmen:

Manfred BLEULER, Professor für Psychiatrie, Universität Zürich, schrieb in der Schweizerischen Ärztezeitung SÄZ Nr.25, 19. Juni 1974:

. . . "Hysterie als Beschimpfung
Nach und nach hat der Ausdruck "Hysterie" aber seine medizinische Bedeutung verloren. Die Alltagssprache hat sich seiner bemächtigt und ihn zu einer Beschimpfung erniedrigt. Will man höhnische Verachtung gegen etwas oder gegen jemanden in einem Wort zum Ausdruck bringen, das gelehrt und medizinisch tönt, so eigent sich der Ausdruck 'Hysterie' ausgezeichnet dafür. Braucht man zur Beschimpfung erst noch ein griechisches Wort - das in der Medizin einmal gebräuchlich war -, so gefällt man sich dazu noch in der Pose des objektiven Gelehrten. Jemandem Hysterie vorwerfen heisst heute aber, ihn der Unreife, der Unbeherrschtheit und der Kritiklosigkeit zu beschuldigen, ihn als jemanden zu bezeichnen, auf dessen Urteil zu hören lächerlich wäre; es bedeutet, ihn moralisch aus dem Kreise urteilsfähiger Menschen zu stossen. Ein Ausdruck, dem so viel Perfidie innewohnt, sollte doch zurückhaltend verwendet werden gegenüber solchen Menschen, die sich um die Erhaltung der elementaren Lebensbedingungen auf unserer Erde Sorge machen.

Sind 'Umweltschützler' Panikmacher?
Ernsthaft zu überprüfen bleibt ein anderer Vorwurf an die Adresse der 'Umweltschützler', der mit der behaupteten Existenz einer 'Umwelthysterie' eng zusammenhängt. Dieser Vorwurf geht dahin, man schüre Unbehagen, Angst, ja blinde Panik (oder eben 'Hysterie'), wenn man auf die Gefahren hinweise, die unserem Wohlbefinden, unserer Gesundheit und unserem Leben drohen, wenn Verschmutzung und Vergiftung von Wasser, Luft und Nahrung sowie die Verwüstung der natürlichen Landschaft im gleichen Tempo wie heute fortdauern. Unbestreitbar leiden heute viele Menschen schwer unter dem Bewusstsein dieser Gefahren. Bedeutet es deshalb eine Forderung der geistigen Hygiene, der Angstvermeidung, die Gefahren der Umweltverseuchung zu verschweigen, die die Forscher und Ärzte erkannt haben?

Gefahren verschweigen oder bekämpfen?
In dieser Hinsicht ist aber nicht mehr viel zu verbergen. Zu viele riechen die Luftverderbnis auf den täglichen Wegen; sie sehen und greifen sie am Dreck auf unseren Fensterbrettern, an der aufgehängten Wäsche, an Bäumen und Sträuchern entlang der Strassenränder. Sie wissen darum, dass sauberes Wasser und ruhige schöne Landschaften immer schwerer zu finden sind als früher und noch um manches andere. Schon die Alltagserfahrung bestätigt, was die Forschungsergebnisse beweisen, nämlich dass die Umweltverderbnis gefährlich zu werden droht. Die Menschheit ist so reif geworden, dass sie nicht mehr an den Gefahren vorbeisehen kann, die ihre Lebensbedingungen zu zerstören im Begriffe sind. Verheimlichen und Vertuschen sind keine Mittel, um die Angst vor zunehmender Umweltverderbnis zu bekämpfen. Es gibt ein besseres Mittel: den Aufruf zum Kampf gegen die Gefahr! Unberechtigte Angst kann man durch Ignorierung unberechtigter Befürchtungen dämpfen. Wirkliche Gefahr dagegen ist aktiv zu bekämpfen und im gemeinsamen Kampf dagegen wandelt sich Angst in Tatkraft."

Dazu passt ein Leserbrief in der Basler Zeitung vom 29. Oktober 1996, den Dr. phil. Andrew THOMPSON, Gen-Forscher zurzeit in Basel, schrieb:

"'Schlechte' Gene

Frau Spreng, Präsidentin der Akademiker-Vereinigung Sandoz, stellt die Befürworter der Gen-Schutz-Initiative als Ignoranten hin, die von irrationalen Ängsten geplagt werden. Diese Ängste sollen von den Medien auf unverantwortliche Weise geschürt werden.
Wieviel wissen denn die Gen-Schutz-Gegner? Realisieren sie, dass die 100 000 Gene im menschlichen Genom nur 5 % des Genoms ausmachen und dass die restlichen 95 % aus anderen Sequenzen bestehen, die ebenfalls entziffert werden müssen, um herauszufinden, wie Gene funktionieren und einander gegenseitig beeinflussen? Dass zu den bekannten 3000 Einzeldefekten und Krankheiten, infolge von natürlichen und von uns Menschen verursachten Mutationen, wahrscheinlich täglich neue hinzukommen? Dass an den meisten Krankheiten mehrere Gene beteiligt sind? Dass 'schlechte' Gene eine wichtige Funktion haben können, die vielleicht noch gar nicht bekannt ist? Dass Gene durch unzählige, ständig wechselnde Umweltfaktoren beeinflusst werden und umgekehrt?
Sind sich die Gegner der Gen-Schutz-Initiative ferner bewusst, dass die Folgen von genetischen Eingriffen nur durch Forschung über mehrere Generationen hinweg und anhand einer Unmenge von verschiedenen Situationen eruiert werden können?
Was die Medien betrifft, so wird jede Kritik der Gentechnologie durch schätzungsweise fünf Meldungen über neue Erkenntnisse auf diesem Gebiet wettgemacht. Dass solche Meldungen bei Betroffenen falsche Hoffnungen auf baldige Heilung wecken, scheint niemanden zu kümmern.
Schliesslich sei noch darauf hingewiesen, dass die Gen-Schutz-Initiative nicht, wie viele meinen, einen Verzicht auf die Gentechnologie fordert, sondern bloss einen verantwortungsbewussten Umgang damit."

Das Staatsministerium Baden-Württemberg schrieb am 21. Januar 1974 Herrn Dr. Dieter STARK in Allschwl im Brief Nr. 7867/283 im Namen des Herrn Ministerpräsidenten in Sachen Energie-Krise in Baden-Württemberg u.a.

" … Im Gegenteil hat die Landesregierung auch in ihren jüngsten Erklärungen immer wieder betont, dass die Gesichtspunkte der Sicherheit des Betriebspersonals und der Bevölkerung absoluten Vorrang haben. Beschleunigter Ausbau der Kernkraftwerke heisst in diesem Zusammenhang:
- Verstärkte Bemühungen um die Vollendung der Standortplanung der Kernkraftwerke.
- Rationellere und zügigere Abwicklung der Genehmigungsverfahren; Vor allem sollten möglichst bald von seiten des Bundes einheitliche Kriterien und Regeln für die sicherheitstechnischen Anforderungen und für die Beurteilung der Standorteignung festgelegt werden,
- Entschiedeneres Entgegentreten gegen diejenigen, die in demagogischer Weise irrationale Ängste mobilisieren.

Zusammengefasst hält die Landesregierung daran fest, dass Energieversorgung und Umweltschutz beides wichtigste Zielsetzungen der Landespolitik bleiben und nicht gegen einander ausgespielt, sondern einander sinnvoll zugeordnet werden müssen.
Mit vorzüglicher Hochachtung (Quecke) Oberregierungsrat"