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Fluor oder Fluorid? - Wir brauchen Belehrung

1979 (aktualisiert: 5. Juni 2004)

Wir hatten die bequemere Bezeichnung Fluor-Prophylaxe - statt Fluorid-Prophylaxe von den Fluoristen (Fluoridisten) übernommen. Die halboffizielle Fluor- und Jodkommission (der SAMW) müsste Fluorid- und Jodid-Kommission heissen.

Zahnärzte und Mediziner pflegen Kritikern, zum Beispiel uns Chemikern, vorzuwerfen, wir verstünden den Unterschied nicht zwischen dem giftigen Fluor, das aus Fabrikschloten strömt, und dem segensreichen Fluorid, welches die Zahnärzte empfehlen. Zum Beispiel Dr. med. W. SCHÜRER vom Gesundheitsamt Basel-Stadt hat es so beschrieben
(im "Ratsstübli" der Basler Zeitung vom 21.April 1979):

"Wie Sie wissen, ist Fluor ein Halogen, d.h. es gehört in dieselbe Elementgruppe wie das Chlor. Im elementaren Zustand sind diese Stoffe gasförmig; in Verbindungen kommen sie als Salze vor. Ich erinnere an Chlor: Chlor als Gas ist giftig, ätzend (Chlorgas-Blasen im Ersten Weltkrieg). Als Salz ist das Natriumchlorid unser täglich lebenswichtiges Kochsalz.
Aehnlich verhält es sich beim Fluor: Das Fluorgas ist sehr stark ätzend, schädigt die Vegetation und ist ein gefährliches Gift für Mensch und Tier. Solches Fluor entsteht in den Aluminiumwerken und führt zu den beklagten Schäden. Dem Trinkwasser wird Natriumsilicofluorid in minimaler Dosierung beigegeben, das, wie Kochsalz, nicht giftig ist.
Über die Problematik des Nutzens der Fluorprophylaxe der Zahnkaries sind die Akten noch nicht geschlossen."


Das meiste stimmt, was Dr. SCHÜRER hier schreibt. Seine Betrachtung enthält aber zwei entscheidende Fehler:

1) Die Fluorschäden aus Aluminiumwerken, aber auch aus Ziegeleien wie etwa jahrelang in Allschwil oder in Graz, sind nur zum ganz geringen Teil Ätz-Schäden des Fluorgases F2 (oder der Flusssäure HF). Beide Verbindungen wandeln sich an der Luftfeuchtigkeit und in Zellgeweben von Lebewesen bald in die ionisierte Form (Fluor-Ion F-) um. Der weitaus grösste Teil der bekannten Schäden (Gewebeschäden an Laub, Gras, Kirschen und Aprikosen in Allschwil, im Fricktal und im Wallis usw., hochgradige Knochenschäden der Kühe, Fluorosen bei Menschen) sind Schäden, für die das Fluor-Ion verantwortlich ist, das Salz Fluorid also. Anders ausgedrückt: Das Fluor-Ion ist eines der angriffigsten und reaktionsfreudigsten Teilchen im tierischen und pflanzlichen Säfte-Haushalt.
Ionisiertes Fluor (Fluorid) in wässriger Lösung (im Zellsaft also oder im Blut) ist ein hochgradiges Gift, vergleichbar mit Arsen. Es beeinflusst schon in Dosen, die die Zahnärzte empfehlen, und die dem Trinkwasser, dem Kochsalz, Zahnpasten und da und dort der Schulmilch zugesetzt werden, biochemische Vorgänge. Teilweise sind von Fluoriden verursachte Einwirkungen auf Enzyme und Zellschäden wohlbekannt, teilweise aber so kompliziert, dass sie in Einzelheiten und in Zusammenhängen von der Forschung noch nicht klar erfasst wurden und in den Folgen noch kaum erkennbar sind.

2) Chemisch darf man Natriumchlorid neben Natriumfluorid stellen. Biochemisch und physiologisch aber bestehen Unterschiede der Grössenordnung ebenso wie der Funktion: Natriumchlorid bzw. die Ionen Na+ und Cl- sind Stützen im Mineralhaushalt der Körperflüssigkeiten. Beide müssen z.B. im Blutserum im sehr engen hohen Konzentrationsbereich (zwischen 3000 und 8000 ppm) vorhanden sein. Sie sind auch in der Flüssigkeit der Körperzellen unentbehrlich.
Vom Fluor ist hingegen keine physiologische Funktion bekannt. Falls vorhanden, dann in Konzentrationen unter 0,005 ppm; Unterschiede also wie 1 000 000 : 1.

Solange keine lebenswichtige Aufgabe des Fluors nachgewiesen wird (vergleichsweise ist eine solche für das Jod wohlbekannt, nämlich für die Schilddrüse), ist es unzulässig, Fluor zu den lebenswichtigen Spurenelementen zu zählen. Offiziell ist es dennoch dazu erklärt worden, mit der alleinigen Begründung, es sei für die Zahnbildung erforderlich. Diese Begründung ist falsch. Karies ist keine Fluormangel-Krankheit.

KK