Link zur Startseite

I Startseite I Konradin Kreuzer I Über uns I Nützliche Links I Echo I Kontakt I Impressum I English Parts

I Sie sind hier: Startseite > Mein Leben - und dann?

Von Helsinki nach Duggingen

1962-1964 (aktualisiert am 12. November 2005)

Remigranten

Wir kamen am Jahresende 1961 zurück aus Finnland, nach meinen 13 Jahren, en famille: Trudi, die Erinnerung an Ueli, die zwei Töchter Regula und Vrene, die dritte unterwegs, Nina, kam erst in der Schweiz zur Welt.
Mit SANDOZ war vereinbart, dass ich - auf Grund meiner Spitzenergebnisse in Finnland - Ausbildner von Aussenmitarbeitern werden soll. Dazu kam es nicht. Es war die Aera, da die beiden Pioniere, der Chemiker Arthur STOLL und der Pharmakologe Ernst ROTHLIN ausgebootet wurden. Es war die Welle der totalen Kommerzialisierung. Sandoz importierte seinen Aussenchef Yves DUNANT aus Paris. Mit ihm begann die Umkrempelung auf nur noch sofort Umsatzsteigerung. Dahinein passte meine ausgefallene Methodik - der sachlichen Übermittlung an die für den Umsatz zuständigen Ärzte, samt Diskussion der Möglichkeiten und Nachteile - gar nicht mehr. DUNANT führte eine Art Drehbuch ein für die Aussenwerber: Je Quartal hatten sie ihren thematisch/produkt-zugerichteten Arztbesuch (Begrüssung, Ablauf, Geschenklein an die Arztgehilfin, wann Bleistift aus der Tasche und "Kurve" erläutern, . . . ) auswendig zu lernen und an Ort abzudrehen. Ich wurde abgeschoben auf Melleril-Besuche in psychiatrischen Kliniken der Schweiz, vom Drehbuch verschont. Aber DUNANT versuchte mich zu drillen, mir den Enthusiasmus für sein neues Ding einzutrichtern. Bald aber wurde ich versetzt in die Abteilung Werbedrucksachen - ausgerechnet ich! In der Dependance an der Voltastrasse verfasste ich ein paar Prospekte, die natürlich dem Chef NEUGEBAUER nicht gefielen. So viel hatte ich schnell gelernt, hatte neue Aufträge jeweils sofort skizziert und in meine Schublade gelegt. Wenn der Chef nach dem Resultat rief, legte ich ihm die Skizze vor, wohl wissend, dass er sie nicht goutierte und dafür seine besseren Vorschläge einbrachte. Damit gewann ich Zeit für mich. Bereits hatte ich meinen Ausstieg aus dem Etablissement beschlossen, bald auch angekündigt. Man schien erleichtert den Unbequemen loszuwerden. Das letzte Jahr bei SANDOZ - mit endlich gutem Lohn - füllte ich mit der Vorbereitung des Nachher. In diesen Wochen übersetzte ich Generalstabschef Lennart OESCH's Geschichte von „Finnlands Entscheidungskampf auf der Karelischen Landenge im Jahr 1944“ ("Suomen kohtalon ratkaisu Kannaksella v. 1944") ab Blatt, für den Verlag Huber Frauenfeld. Das Buch, für (subalterne) Offiziere vor allem der Schweizer Armee empfohlen, wurde zum Flop. Meine Tantièmen daraus betrugen für 1972 SFr. 23.10, für 1973 SFr.37. 65 und 1974 SFr. 1.35.

Im Hotel "Drachen" in Basel war ich nach der Heimkehr von Finnland ein paar Monate einquartiert, während die Familie im Auslandschweizerheim in Dürrenäsch/Aargau wohnte. Ich hatte mir eben ein neues Auto erstanden, einen roten Volvo (der mir bis in die 70er Jahre diente). Im Büro wurde der Volvo (oder ich?) bald „de Gritteschlepper" genannt, denn er war u.a. praktisch für das Hin und Her aus unserer Dependance an der Voltastrasse zur Sandoz-Kantine. Die freche neue Francesca provozierte gegen damalige Umgangs-Erstarrung, machte Aufruhr, als sie in der Mittagspause auf dem Dach an der Voltastrasse im Bikini sonnenbadete. Ich verstiess ganz gern gegen die Prüderien, musste einmal beim Konzernchef antreten. Ich hätte meinen Volvo auf dem Parkplatz von Generaldirektor JACOTTET parkiert, hiess der Vorwurf. Sofort korrigierte ich: nein, nicht auf, sondern neben seinem Parkplatz.

Unser Haus in Duggingen war erst im Bau. Die Familie zog in eine Wohnung an der Bettenstrasse in Allschwil.

Schon von Finnland aus hatte ich nach einem künftigen Wohnplatz gesucht und in Duggingen gefunden, im damals noch bernischen Laufental. Ich hatte Karriere gemacht, war endlich (dank kleiner Provision am grossen Umsatz) gut bezahlt, musste allerdings in Basel den Lohn zurückstufen lassen. Noch unbeschwert von Umweltgedanken hatte ich neben dem Schiessplatz Duggingen eine schöne Wiese gefunden. Ich musste sie aufgeben, konnte aber auf einem prächtigen Wiesenhang in den Rainreben ob dem kleinen Duggbach, dicht neben dem Wasser-Reservoir schliesslich eine Baubewilligung erwirken – ausserhalb einer erst später festgelegten Bauzone. Walter BOECK, Pfadikamerad aus Flambergzeiten (in Zürich), plante und baute das Haus, ein prächtiges - viel zu grossartig für das, was mir bevorstand: das Ende der Lohnarbeit und die Ungewissheit, was nun, was dann? Der Bauführer KOHLER aus Liesberg liess uns im Stich, und so wurde ich "Bauführer", eine nützliche Erfahrung.
Schnell kamen die Geldnöte; die Schwiegereltern halfen überbrücken.

Vieles ging mir durch den Kopf, was ich tun könnte, Champignons züchten, Häuser makeln, SCHNITZER's Mühlen und Bücher verkaufen, Versicherungen aquirieren. Immerhin: Noch bei Sandoz hatten sich zwei Ideen eingenistet. Die eine wurde bis zu einem allerdings schwachen Anfang auch praktiziert.   >> Entwerfen Sie ein Wunschbild Ihrer Ferien

Die andere war aussichtsreicher, ernsthafter. Sie fand verbalen Anklang bei konsultierten Professoren, Direktoren, Rektoren. Aber keiner wollte einen ersten Schritt wagen. Der Refrain: Wenn XY mitmacht, kann ich mir ein Mittun auch vorstellen. So probierte ich im Kreis herum, und kein Anfang gelang. Die Idee und ein Ansatz zum Konzept:
>> Brachfeld für Exportförderung.