| Als Einspann zur Rubrik ombud zitiere ich
aus der nux-56, November
1988 (voller Text: [das Lügendreieck]
den Arzt Thomas SCHNYDER:
"Die Unterdrückung der Wahrheit über
Hiroshima und Nagasaki, das heisst, die Tabuisierung der Gefahren
der Atombombe, zieht sich wie ein roter Faden durch die Geschichte,
und das nicht nur beim militärisch-technisch-wissenschaftlichen
Komplex in der Schweiz, sondern auf der ganzen Welt. Solange die Wissenschaften
und der wissenschaftlich-technische Transfer in die Anwendungsgebiete
nicht einer demokratischen Kontrolle unterworfen werden, solange die
privatwirtschaftliche Ausbeutung der Wissenschaft im rechtsfreien
Raum stattfindet, ohne Kontrolle durch die Öffentlichkeit, solange
wird sich wenig zum Guten wenden."
(aus
„Schutzraum Schweiz“, Zytglogge 1988, Seite 30)
und den Ökonomen Hans-Peter STUDER:
“Mein wirtschaftshistorischer Rückblick
zeigt deutlich, dass es in den Wirtschaftswissenschaften von allem
Anfang an trotz (oder wegen?) aller Wissenschaftlichkeit nicht so
recht mit rechten Dingen zuging. Da gab es zum Beispiel im 17. Jahrhundert
einen hochangesehenen Engländer namens John LOCKE, der keine
Skrupel hatte, ausgerechnet mit Berufung auf die Bibel die unbegrenzte
Anhäufung von Boden, Geld und Gütern als völlig unbedenklich
hinzustellen. Zwangsläufig hatte seine verdrehte Argumentation
bereits damals zur Folge, dass die abhängigen Lohnarbeiter einerseits
und die "wertlose" Natur anderseits unter bzw. zwischen
die Räder der anlaufenden Fortschrittsmaschinerie gerieten.
Aufbauend auf LOCKE kam dann ein rundes Jahrhundert später der
- noch berühmtere - Schotte Adam SMITH auf die bis heute gültige
Idee, auf der Basis von Reichtumsstreben und Eigennutz liesse sich
eine funktionierende (Wirtschafts)Gesellschaft aufbauen. Seine alles
auf wundersame Weise zum Guten regelnde "unsichtbare Hand"
geriet zwar, wie sich einst HARMAN ausdrückte, sehr bald zum
plumpen, erbarmungslosen "unsichtbaren Fuss", der bedenkenlos
auf sozialen, menschlichen und Umweltwerten herumtrampelte. Mit anderen
Worten, reicher wurden aufgrund der SMITHschen Rezepte in erster Linie
die Reichen und noch ärmer die Armen, während parallel dazu
die Natur mehr und mehr zum blossen Rohstofflager verkam.
Nichtsdestoweniger fanden sich mit David RICARDO und Robert MALTHUS
sehr schnell wissenschaftlich beherzte Männer, die offenbar völlig
wertfrei empfahlen, von Staates wegen ’das Elend seinem Schicksal
zu überlassen und höchstens den Tod der Elenden zu erleichtern’.
Umgekehrt waren sie der Meinung, der Luxuskonsum der oberen Gesellschaftsschichten
sei etwas sehr Zweckdienliches, trage er doch dazu bei, Wirtschaftskrisen
zu vermeiden.
Diese dubiosen Erkenntnisse zweier namhafter Wissenschafter des letzten
Jahrhunderts muten im übrigen seltsam bekannt an, wenn wir uns
die Empfehlungen heutiger Oekonomen oder auch etwa diejenigen des
Internationalen Währungsfonds vor Augen halten, wie sie sie hinsichtlich
der verworrenen Lage der Entwicklungsländer von sich geben. Sie
machen darüber hinaus deutlich, wie wenig die moderne Oekonomie
bisher gerade in ihrer Wissenschaftlichkeit über ein eigentliches
Primitivstadium hinausgelangt ist.
Zu wissenschaftlich anmutenden (mathematischen) Gesetzmässigkeiten
kann man eben nur gelangen, wenn man genügend von der Wirklichkeit
abstrahiert. Und da ist nun einmal alles viel einfacher, wenn man
davon ausgeht, die sich aus Angebot und Nachfrage ergebenden Preise,
Verteilungs- und Besitzverhältnisse seien zwangsläufig gerecht.
Es erwies sich als sehr bequem, Fragen von Abhängigkeit und Macht(missbrauch)
auszuklammern oder selbst angesichts sich häufender Umweltkrisen
nach wie vor so zu tun, als entstehe der heutige Gütersegen quasi
aus dem Nichts und verschwinde nach dem möglichst raschen, weil
wohlstandsfördernden Verbrauch auch wieder dorthin. Und ansonsten
kann man ja auch aus der "Beseitigung" von Abfällen
ein Geschäft machen oder den Umweltschutz zum neuen wirtschaftlichen
Wachstumspotential emporstilisieren.
Überhaupt erweist es sich nachgerade als notwendig für das
Überleben sowohl der theoretischen als auch der praktischen Oekonomie,
stets aufs neue Mittel und Wege zu finden, das Wachstum von Produkten
und von Konsum allen natürlichen Grenzen zum Trotz noch weiter
zu steigern. Der neueste Gag aus der wirtschaftswissenschaftlichen
Trickkiste wächst in dieser Hinsicht aus der Europäischen
Wirtschaftsgemeinschaft, die dann schon irgendwie dazu verhelfen wird,
die immensen Arbeitslosenzahlen zum Verschwinden zu bringen, etc.
Und im Zweifelsfall gilt ja nach wie vor der gut ökonomische
Grundsatz, ein (noch mehr) konsumierendes Volk sei ein (noch) glücklicheres
Volk. Hielt doch der Wirtschaftsrat des amerikanischen Präsidenten
schon 1971 klar und deutlich fest: ’Wenn Konsens besteht, dass
wirtschaftliche Produktion eine gute Sache ist, so folgt definitionsgemäss
daraus, dass es nicht genug davon geben kann.’ “
(ganzer Text in nux-56/1988, Seite 6-7; und hier >>
Aus der gleichen nux gehört in die Motivierung zum Thema ombud,
was der Bakteriologe Jean LINDENMANN in
der NZZ vom 27. Dezember 1984 schrieb:
"Die Frage ist nicht, ob es in der Wissenschaft
gerissene Betrüger, kleine Schelme, Phantasten und zur Selbstkritik
unfähige Schaumschläger gibt - es gibt sie. Die Frage
ist, ob das ganze System in sich den Keim zu einer Mafia-ähnlichen
Perversion trägt., bei der die Wissenschaft ein ähnliches
Verhältnis zur Wahrheit unterhalten würde wie das organisierte
Verbrechen zum Recht. Dafür liefern die beiden Bücher* nicht
die Spur eines Anhaltspunktes. Aber es stimmt schon, die Wissenschaft
ist eine kitzlige Dame, und wie. Ich darf es sagen. Ich bin einer
ihrer Verehrer."
* die
Bücher: William BROAD und Nicolas WADE (übersetzt:. 'Betrug
und Täuschung
in der Wissenschaft' (Birkhäuser 1984)
und Albrecht
FÖLSING: 'Der Mogelfaktor - die Wissenschaftler und die Wahrheit'
(Rasch
und Röhring 1984)
nux-Kurz-Kommentar dazu in der gleichen
nux-56 über 'Lügen in der Wirtschaft, Lügen in der
Politik und Lügen in der Wissenschaft' hiess:
Wir sind nicht mehr ihre Verehrer, wir kommen zu
anderen Schlüssen als Professor Jean LINDENMANN und wollen seine
Betrachtung ein Stück weit aufrollen und daran rütteln.
. . .
Wir hatten Jean LINDENMANN (Prof. Dr. med., Direktor des Instituts
für Immunologie und Virologie der Universität Zürich)
mit Brief und der nux-56 zum Kommentar eingeladen, aber er hat nie
geantwortet. Offenbar hielt er eine Diskussion seiner Sicht für
unnötig.
KK
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