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Was soll Ombud?

1984/1988 (ergänzt am 12. November 2004)

Als Einspann zur Rubrik ombud zitiere ich aus der nux-56, November 1988 (voller Text:  [das Lügendreieck]

den Arzt Thomas SCHNYDER:

"Die Unterdrückung der Wahrheit über Hiroshima und Nagasaki, das heisst, die Tabuisierung der Gefahren der Atombombe, zieht sich wie ein roter Faden durch die Geschichte, und das nicht nur beim militärisch-technisch-wissenschaftlichen Komplex in der Schweiz, sondern auf der ganzen Welt. Solange die Wissenschaften und der wissenschaftlich-technische Transfer in die Anwendungsgebiete nicht einer demokratischen Kontrolle unterworfen werden, solange die privatwirtschaftliche Ausbeutung der Wissenschaft im rechtsfreien Raum stattfindet, ohne Kontrolle durch die Öffentlichkeit, solange wird sich wenig zum Guten wenden."
         
(aus „Schutzraum Schweiz“, Zytglogge 1988, Seite 30)  

und den Ökonomen Hans-Peter STUDER:

“Mein wirtschaftshistorischer Rückblick zeigt deutlich, dass es in den Wirtschaftswissenschaften von allem Anfang an trotz (oder wegen?) aller Wissenschaftlichkeit nicht so recht mit rechten Dingen zuging. Da gab es zum Beispiel im 17. Jahrhundert einen hochangesehenen Engländer namens John LOCKE, der keine Skrupel hatte, ausgerechnet mit Berufung auf die Bibel die unbegrenzte Anhäufung von Boden, Geld und Gütern als völlig unbedenklich hinzustellen. Zwangsläufig hatte seine verdrehte Argumentation bereits damals zur Folge, dass die abhängigen Lohnarbeiter einerseits und die "wertlose" Natur anderseits unter bzw. zwischen die Räder der anlaufenden Fortschrittsmaschinerie gerieten.

Aufbauend auf LOCKE kam dann ein rundes Jahrhundert später der - noch berühmtere - Schotte Adam SMITH auf die bis heute gültige Idee, auf der Basis von Reichtumsstreben und Eigennutz liesse sich eine funktionierende (Wirtschafts)Gesellschaft aufbauen. Seine alles auf wundersame Weise zum Guten regelnde "unsichtbare Hand" geriet zwar, wie sich einst HARMAN ausdrückte, sehr bald zum plumpen, erbarmungslosen "unsichtbaren Fuss", der bedenkenlos auf sozialen, menschlichen und Umweltwerten herumtrampelte. Mit anderen Worten, reicher wurden aufgrund der SMITHschen Rezepte in erster Linie die Reichen und noch ärmer die Armen, während parallel dazu die Natur mehr und mehr zum blossen Rohstofflager verkam.

Nichtsdestoweniger fanden sich mit David RICARDO und Robert MALTHUS sehr schnell wissenschaftlich beherzte Männer, die offenbar völlig wertfrei empfahlen, von Staates wegen ’das Elend seinem Schicksal zu überlassen und höchstens den Tod der Elenden zu erleichtern’. Umgekehrt waren sie der Meinung, der Luxuskonsum der oberen Gesellschaftsschichten sei etwas sehr Zweckdienliches, trage er doch dazu bei, Wirtschaftskrisen zu vermeiden.

Diese dubiosen Erkenntnisse zweier namhafter Wissenschafter des letzten Jahrhunderts muten im übrigen seltsam bekannt an, wenn wir uns die Empfehlungen heutiger Oekonomen oder auch etwa diejenigen des Internationalen Währungsfonds vor Augen halten, wie sie sie hinsichtlich der verworrenen Lage der Entwicklungsländer von sich geben. Sie machen darüber hinaus deutlich, wie wenig die moderne Oekonomie bisher gerade in ihrer Wissenschaftlichkeit über ein eigentliches Primitivstadium hinausgelangt ist.

Zu wissenschaftlich anmutenden (mathematischen) Gesetzmässigkeiten kann man eben nur gelangen, wenn man genügend von der Wirklichkeit abstrahiert. Und da ist nun einmal alles viel einfacher, wenn man davon ausgeht, die sich aus Angebot und Nachfrage ergebenden Preise, Verteilungs- und Besitzverhältnisse seien zwangsläufig gerecht. Es erwies sich als sehr bequem, Fragen von Abhängigkeit und Macht(missbrauch) auszuklammern oder selbst angesichts sich häufender Umweltkrisen nach wie vor so zu tun, als entstehe der heutige Gütersegen quasi aus dem Nichts und verschwinde nach dem möglichst raschen, weil wohlstandsfördernden Verbrauch auch wieder dorthin. Und ansonsten kann man ja auch aus der "Beseitigung" von Abfällen ein Geschäft machen oder den Umweltschutz zum neuen wirtschaftlichen Wachstumspotential emporstilisieren.

Überhaupt erweist es sich nachgerade als notwendig für das Überleben sowohl der theoretischen als auch der praktischen Oekonomie, stets aufs neue Mittel und Wege zu finden, das Wachstum von Produkten und von Konsum allen natürlichen Grenzen zum Trotz noch weiter zu steigern. Der neueste Gag aus der wirtschaftswissenschaftlichen Trickkiste wächst in dieser Hinsicht aus der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft, die dann schon irgendwie dazu verhelfen wird, die immensen Arbeitslosenzahlen zum Verschwinden zu bringen, etc. Und im Zweifelsfall gilt ja nach wie vor der gut ökonomische Grundsatz, ein (noch mehr) konsumierendes Volk sei ein (noch) glücklicheres Volk. Hielt doch der Wirtschaftsrat des amerikanischen Präsidenten schon 1971 klar und deutlich fest: ’Wenn Konsens besteht, dass wirtschaftliche Produktion eine gute Sache ist, so folgt definitionsgemäss daraus, dass es nicht genug davon geben kann.’ “

(ganzer Text in nux-56/1988, Seite 6-7; und hier >>

Aus der gleichen nux gehört in die Motivierung zum Thema ombud, was der Bakteriologe Jean LINDENMANN in der NZZ vom 27. Dezember 1984 schrieb:

"Die Frage ist nicht, ob es in der Wissenschaft gerissene Betrüger, kleine Schelme, Phantasten und zur Selbstkritik unfähige Schaumschläger gibt  - es gibt sie. Die Frage ist, ob das ganze System in sich den Keim zu einer Mafia-ähnlichen Perversion trägt., bei der die Wissenschaft ein ähnliches Verhältnis zur Wahrheit unterhalten würde wie das organisierte Verbrechen zum Recht. Dafür liefern die beiden Bücher* nicht die Spur eines Anhaltspunktes. Aber es stimmt schon, die Wissenschaft ist eine kitzlige Dame, und wie. Ich darf es sagen. Ich bin einer ihrer Verehrer."

           *
die Bücher: William BROAD und Nicolas WADE (übersetzt:. 'Betrug           und Täuschung in der Wissenschaft' (Birkhäuser 1984und Albrecht           FÖLSING: 'Der Mogelfaktor - die Wissenschaftler und die Wahrheit'           (Rasch und Röhring 1984)

nux-Kurz-Kommentar dazu in der gleichen nux-56 über 'Lügen in der Wirtschaft, Lügen in der Politik und Lügen in der Wissenschaft' hiess:

Wir sind nicht mehr ihre Verehrer, wir kommen zu anderen Schlüssen als Professor Jean LINDENMANN und wollen seine Betrachtung ein Stück weit aufrollen und daran rütteln.  . . .

Wir hatten Jean LINDENMANN (Prof. Dr. med., Direktor des Instituts für Immunologie und Virologie der Universität Zürich) mit Brief und der nux-56 zum Kommentar eingeladen, aber er hat nie geantwortet. Offenbar hielt er eine Diskussion seiner Sicht für unnötig.

KK