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1990 (aktualisiert am 20. Oktober 2004) |
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Roland POSNER, Professor für Semiotik
an der Technische Universität Berlin, Herausgeber des Buchs "Warnungen
an die ferne Zukunft - Atommüll
als Kommunikationsproblem" (RABEN 1990) Zusammenfassung.
Die laufenden Projekte der Atom-, Gen- und Weltraumtechnik und die
Notwendigkeit, die Nachgeborenen Jahrtausende lang vor atomar, biologisch
oder chemisch verseuchten Zonen zu warnen, erfordern Einrichtungen
für die systematische Sammlung und Weitergabe des relevanten
Wissens an zukünftige Generationen. Die langfristigen Auswirkungen
der staatlichen Gesetzgebung auf die Lebensgrundlagen späterer
Bewohner des Staatsgebiets erfordern die Aktivierung kollektiven Gewissens
für die Wahrung der Interessen zukünftiger Generationen.
Der vorliegende Beitrag argumentiert, dass diese beiden Aufgaben Teil
ein und desselben Problems sind, das in seinen zeitlichen und räumlichen
Dimensionen die Perspektiven der bisherigen Umweltpolitik sprengt.
Da die gängige Strategie, das Problem der Zukunftsvorsorge in
Teilprobleme zu zerlegen und diese getrennt anzupacken, versagt hat,
wird vorgeschlagen, dieses Problem in seinem ganzen Umfang ernst zu
nehmen und eine umfassende demokratische Institution für die
Zukunftsvorsorge zu schaffen. Die bisher in zwei Kammern gegliederte
Legislative föderativ organisierter Staaten ist um eine Zukunftskammer
zu erweitern, die die Interessen der Nachgeborenen auf verfahrenstechnisch
gesichertem Weg in die Gesetzgebung einbringt. Die Zukunftskammer
wird beraten durch Kommissionen für mittel- und langfristige
Zukunftsprognosen sowie eine Ethik-Kommission und stützt sich
auf folgende Zukunftsämter: ein Forschungsamt, das der an kurzfristigen
Profitinteressen orientierten Forschung und Technik eine langfristig
orientierte unabhängige Parallelforschung gegenüberstellt,
ein Datenamt, das das zukunftsrelevante Wissen sammelt und allgemein
zugänglich hält, und ein Vollzugsamt, das die mittel- und
langfristigen Gefahrenzonen überwacht, gefährdete Lebewesen
von ihnen fernhält und intelligente Lebewesen vor ihnen warnt.
Es wird gezeigt, wie eine solche Institution auf effektive Weise in
das System der bestehenden demokratischen Institutionen eingefügt
werden kann und welche Struktur sie haben muss, um Jahrtausende zu
überdauern. ---------------------------- |