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Öffentlicher Kongress für eine lebenswerte Zukunft mit
Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen - 11.-15. November
1992
im Stetten Institut in Augsburg [IPPNW Regionalgruppe Augsburg]
Es war die schönste, die vergnüglichste Tagung, die ich
miterlebt habe. Ich konnte dort das Hüte-Konzept (Nuclear Guardianship)
vorstellen und diskutieren, in einer Kindergruppe mittanzen, sehen
und hören, wie Robert JUNGK Kinder und Jugendliche in Bann zog.
Am Büchertisch lag ein broschiertes unscheinbares Buch (als Umschlagsbild
ein Teller Spaghetti; was Spaghetti mit dem Buchthema zu tun haben,
bleibt mir unerfindlich). Das Thema reizte mich und wurde Heimreise-Lektüre:
Warnungen an die ferne Zukunft
Atommüll als
Kommunikationsproblem
herausgegeben von Roland POSNER, Technische Universität Berlin
(Rabenverlag München 1990). –
Das letzte Kapitel, verfasst von Roland POSNER , heisst
Das Drei-Kammer-System:
1) Zukunftstechniken und Zukunftsvorsorge: drei Fragen …
2) Ökologie und Zukunftsvorsorge …
3) Demokratie und Zukunftsvorsorge …
4) Ein Drei-Kammer-System zur demokratischen Organisation von kollektivem
Wissen und Gewissen über Jahrtausende
5) Gibt es Alternativen zum Zukunftsrat ?
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Der Hauptteil des Buches fragt, wie mit den schweren,
kaum entsorgbaren Altlasten und Neulasten des letzten und des gegenwärtigen
Jahrhunderts verfahren werden soll so, dass Künftige davon wissen
und daran nicht Schaden leiden.
Wir wissen, wie mit den Lasten bisher umgesprungen, spekuliert und
spintisiert worden ist. Seit 60 Jahren, länger shon, wird gemacht,
was machbar ist, wird Atomenergie produziert mit Rückständen,
die herumliegen und warten, warten, wird von einem Brennstoff-“Kreislauf“
geschwafelt, der in Wirklichkeit eine Brennstoff-Kette ohne greifbares
Ende ist, wird behauptet, Atomenergie erzeuge kein CO2.
Neuerdings merken sogar Betreiber und Behörden und sagen es die
Medien, wie dringend das Thema ist, und immer noch heisst es "es eilt
nicht" . Von kritischer Seite bedrängt, schufen die Verantwortlichen
eine „Rückholbarkeit“, eine Pseudo-Rückholbarkeit allerdings,
die nur über die fünfzig bis hundert Jahre der Verfüllung
der Abfälle in erhoffte geologische Formationen, statt über
die notwendigen Jahrhunderttausende gelten soll.
NAGRA und Verwandte blicken zurück auf Jahrmilliarden geologischer
Stabilität und Sicherheit an Fallbespielen (Oklo/Gabun, Cigar
Lake) oder Jahrmillionen für Salzstöcke (Asse, Morsleben)
oder Opalinuston (Anhydrit ist nicht mehr en vogue). Aus solchen Einzelfällen
phantasieren sie generelles Verhalten, das ebenso lange Sicherheiten
verspreche. Solches Verallgemeinern ist ein gefährliches Täuschmanöver.
Wie viele Salzstöcke waren im Verlauf vergangener Jahrmillionen
vorhanden, entstanden, dann abgesoffen so, dass wir heute ihr einstiges
Dasein nicht mehr wahrnehmen oder aufspüren können? –
Asse II säuft ab; Morsleben bricht ein – jetzt, nicht erst nach
Jahrhunderttausenden.
Macher der Endlagerung behaupten, dass ihre technischen Verpackungsmaterialien
(z.B. Glaskörper) über Jahrtausende dicht halten. Doch schon
in ihrer Lebzeit müssen sie Zerfall feststellen. Die „Verantwortlichen“
organisieren und setzen beliebig hohe Summen für Werbe-Agenturen,
die der Bevölkerung einhämmern, Sicherheit sei gewährleistet.
NAGRA habe die verlangte „Gewähr 1985“ erbracht, behauptete der
Bundesrat, und wieder sei Gewähr erbracht mit den seither neu
vorgestellten Errungenschaften der Entsorgungsforschung.
Wie leichtgläubig, dem Erfolgsdruck gehorchend!
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Ich besuchte Roland POSNER in Berlin, wo er als Dozent für Semiotik
(Lehre der Zeichen) wirkt. Er war enttäuscht, dass sein Drei-Kammer-System,
das neben dem Deutschen Bundestag und dem Bundesrat eine Dritte Kammer
als Zukunftsrat vorschlug, in Deutschland kaum Echo erzeugt hat (kein
Wunder, wenn das Buch so unattraktiv daher kommt!). Zur Zeit unserer
Begegnung war in der Schweiz die Vernehmlassung zur Revision der Bundesverfassung
angesagt – für mich ein Signal und Gelegenheit, eine Dritte Kammer
für die Schweiz vorzuschlagen. Ich lud ihn und Freunde ein zur
Tagung Zukunftsrat am 26.November 1995 in Langenbruck (Kt. Baselland),
wo eine Arbeitsgruppe als ersten Entwurf “Das Modell von Flüh“
entwarf und Bundesrat Arnold KOLLER vorlegte.
> nux-92/Januar 1996, und ein Echo darauf in > nux-93/April
1996
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Der Verlag RABEN in München hatte das 1990 erschienene Buch zum
Einstampfen verurteilt, es hatte dafür keinen Markt gegeben.
Davon erhielten wir Wind, wir retteten das Buch und offerieren
es.
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