| Heute kommt die Tragweite deutlicher zum
Vorschein: die Belastung der Umwelt mit nicht rückholbarem Blei
in feinster Verteilung über den ganzen Erdball. Für Menschen,
ganz besonders für Kinder, heisst das eine Dauerbelastung mit
einem Schwermetall, welches besser als Erz im Berg geblieben wäre,
statt dass man es jahrzehntelang als flüchtige organische Verbindung
in die Atmosphäre verpuffte. Für die Metallurgie ist das
relativ rare Blei ein praktischer, vielartig verwendbarer Werkstoff.
Metallisches Blei in der Natur ist kein radioaktives Element, „Halbwertszeit“
= unendlich.
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Meine Berichte „Bleibt Blei im Benzin?“
I/1971 und II/1972 waren Ergebnisse mühsamer langfädiger
Kleinarbeit. Ich hatte aus einer Reihe von Amtsberichten Text und
Daten minutiös analysiert und daraus Fazit gezogen. Die Berichte
sind nur Texte ohne bildliche Hilfe. Der 1.Schweizerische Kongress
"Medizin und Umwelt" der Ärztinnen und Ärzte für
Umweltschutz zusammen mit PSR/IPPNW, 1.-2. Februar 1992 in Bern, gab
Gelegenheit, die Berichte mit Abbildungen poster-tauglich zu zeigen.
Dazu habe ich aus den Analysen-Befunden grafische Bilder entworfen;
Lisa PORTMANN, Basel, hat sie gezeichnet.
>nux-76/77, 1992 Bleibt
Blei im Benzin?<
Im Bericht I hatte ich festgestellt, dass
die Eidgenössische Kommission für Lufthygiene zwar den Bleigehalt
im Blut kommentiert, aber die Frage Enzym nicht behandelt hatte: Blei
macht ein lebenswichtiges Enzym unwirksam, die Delta-Aminolävulinsäure-Dehydrase.
Diese ALA-D ist unentbehrlich zum Aufbau des Eisenmoleküls Häm.
. . . Blei führt auf diesem Weg zu einer Beeinträchtigung
der wichtigsten Stoffwechselfunktion, nämlich des Sauerstofftransportes
und der Sauerstoffverwertung durch den menschlichen und tierischen
Organismus. . . .
Wohin gehen die über 1000 Tonnen Blei in der Schweiz, die jährlich
die Auspuffrohre verlassen? . . .
Die Gesundheit ist dem Marktgehaben voranzustellen:
Aber es wird dann nicht gelingen, wenn die Behörden die Ausflüchte
der Produzenten zu ihren eigenen machen. Eine klare Stellungnahme
und eindeutige Vorschriften sind erforderlich, und es muss weit schneller
geschehen als in der besprochenen bundesrätlichen Botschaft vorgesehen.
>Bleibericht
I.doc<
Der Bericht hatte den Präsidenten der Eidg. Kommission für
Lufthygiene, Prof. Dr. Dieter HÖGGER zu einem Brief an mich aufgestachelt,
der im Blei-Bericht II wiedergegeben ist, und den ich dort kommentiert
hatte.
Bei den Studien zum Bericht I waren mir Unstimmigkeiten aufgefallen,
denen ich sodann nachspürte:
Im Bericht II wird nach dem Bleigehalt im
Blut der Menschen gefragt. Professor HÖGGER suchte seine Antwort:
„kein Anstieg von Blei im Blut“ infolge der Benzinverbleiung.
Seine Messergebnisse aber zeigten einen Anstieg auf das 2 ½
- bis 3-fache. Das durfte nicht sein, HÖGGER jonglierte so vielfach
mit den Messwerten, dass sein Wunsch „kein nennenswerter Anstieg“
erfüllt wurde.
>Bleibericht II.pdf<
Die Untersuchungs-„Ergebnisse“ der Eidgenössischen
Kommission für Lufthygiene wurden vom Kommissionspräsident
Prof. HÖGGER vorgetragen am
Internationalen Symposium über die gesundheitlichen
Aspekte der Umweltverschmutzung durch Blei, Amsterdam, 2.-6. Oktober
1972
Ernest MERIAN hat über das Symposium ausführlich berichtet;
daraus auszugsweise in >Amsterdam
1972.doc<
Auf die Berichte I und II kamen einige weitere Kommentare -
doch nichts geschah. Niemand hatte die Kritik kritisch überprüft,
geschweige denn, etwas zur Sache getan.
Erst im Jahr 2002 erschien in GAIA ein Bericht „Vom
Tiger im Tank – Die Geschichte des Bleibenzins“
GAIA 11, 203-212, 139, 2002
von Matthias Mosimann, Michael Breu, Tomás Vysusil, Samuel
Gerber, im Nachdiplom am Institut für Umweltwissenschaften der
Universität Zürich.
Eine interessante Rückschau, die aber von meinen Berichten und
von Fehldarstellungen der Lufthygiene-Kommission nichts “wusste“,
nichts berichtete.
Flüh, 4. Juni 2005, Konradin Kreuzer
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Ich ergänze am 22. Oktober 2007:
Was geschieht mit einem kritischen
Bericht, der den zuständigen Organen zugestellt wird? am
Beispiel Blei-Bericht I:
Den I. Bericht „Bleibt Blei im Benzin?“ hatte ich den
zuständigen Behörden geschickt, mit je Begleitbriefen vom
26. März 1971 an den Bundespräsidenten Rudolf GNÄGI
„zuhanden des Bundesrates“, den Direktor des Eidgenössischen
Gesundheitsamtes, Dr. med. Arnold SAUTER, dem Präsidenten der
Eidg. Kommission für Lufthygiene, Prof. Dr. med. Dieter HÖGGER;
ferner ohne Begleitbrief recht breit gestreut, u.a. im April 1971
via Sekretariat der Bundesversammlung allen National- und Ständeräten
(damals nur Männer), allen Kantonsregierungen. (usw., siehe Vorwort)
Es war während der kurzen Episode, da ich zum Leiter der Sektion
Schweiz der Freunde der Erde (Friends of the Earth, FOE) ernannt worden
war.
Echo:
Die Bundeskanzlei (Vizekanzler SAUVANT) schrieb am 31. März 1971,
sie habe den Bericht „dem Departement des
Innern zur Berichterstattung überwiesen“.
Das Gesundheitsamt schrieb am 15. April 1971:
Mit Ihrem Brief vom 26. März übermittelten
Sie mir Ihre Studie 'Bleibt Blei im Benzin?’, wofür ich
Ihnen bestens danke - Mit vorzüglicher Hochachtung“
gez. SAUTER
Die Eidg. Kommission für Lufthygiene schrieb mir mit Brief 8008
Zürich, Kreuzstr.26, am 6. April 1971 AzHö/ke, den denkwürdigen
Brief, den ich im Blei-Bericht II wiedergab und dort auch beantwortete.
Zusammengefasst: Es geschieht also nichts.
Niemand korrigiert etwas.
Blei ist ein stabiles Element (Halbwertszeit unendlich). Verauspufftes
Blei ist nicht rückholbar, nicht „entsorgbar“. Es
bleibt fein über den Erdball verteilt allgegenwärtig, hat
Teil an biologischen Kreisläufen, vergiftet chronisch Luft, Wässer,
Böden, Pflanzen, Tiere, Menschen.
Als Rohstoff sei es knapp. Man hätte es gescheiter als potentiellen
Werkstoff, als Bleiglanz (PbS) im Boden belassen.
KK
Aus Blei-Erz ist eine unkorrigierbare Altlast geworden
Blei schädigt das Gehirn und trifft besonders stark Kinder.
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