| Üb immer Treu Unredlichkeit
ein Orthographie-, ein Hör- oder ein Denkfehler?
Lieder (etwas nachgeholfen)
Oft begleiten mich beim Arbeiten und beim Grübeln Melodien im
Kopf, gern Lieder aus den Schul- und Pfadi-Jahren, auch aus der Aktivdienstzeit.
Sie verleiten zu eigenen Texten über akute Themen. Die Melodie
des Lieds von Mozart mit Versen von Ludwig Hölty
Üb' immer Treu’ und Redlichkeit war,
so weit ich mich erinnere, jahrelang Pausenzeichen im deutschen Rundfunk
(die erste Verszeile). Das Lied ist von Chören mit Inbrunst gesungen
worden.
Ich passe den Titel einer heutigen Wirklichkeit an und behalte vom
Original die Strophen 4 und 5 ungeschmälert:
Üb' immer treu Unredlichkeit
- - -
4. Dem Bösewicht wird alles schwer,
Er tue was er tu,
Ihm gönnt der Tag nicht Freude mehr,
Die Nacht ihm keine Ruh.
5. Der schöne Frühling lacht ihm nicht,
Ihm lacht kein Ährenfeld,
Er ist auf Lug und Trug erpicht,
Und wünscht sich nichts als Geld.
- - -
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s'isch immer eso gsi - s'isch immer eso gsi -
- -
s'isch immer immer immer e so gsi
Nun fällt mir ein alter Schlager ein:
Kann denn Liebe Sünde sein, darf es
niemand wissen, dass wir uns küssen?
[ gesungen von Zarah LEANDER ? ]
Ich modernisiere:
Kann denn Lüge Sünde sein?
Darf es niemand wissen, wo wir beschissen? - - wir Experten
oder, zu singen wie die Zehn kleinen Negerlein:
Zehn kleine Radiologen, die heulten mit den Wölf’,
was Hedi* ihnen vorgesungen, so waren es denn ölf.
Ölf grosse Radio(bio)logen der Universitäten,
die bildeten sich weisswas ein, was sie verstehen täten
von Undichtheiten, Druck und Röhren,
von Kühlsystemen und Malheuren,
von Pannen in Atomkraftwerken,
und von verstreuten Strahlenstärken.
Sie proklamierten Minimales, was ins Gewicht nicht fällt,
(nichts tut) und keinerlei Gefahr darstellt.
Wo hatten sie’s denn her, ihr Verslein zu erhärten?
Sie holten’s, so schrieb einer**, bei Bonvin’s*** Kernexperten.
Chored (das war mein Pseudonym, KK)
Gemeint sind:
* Prof. Dr. phil. Hedi FRITZ-NIGGLI, Direktor
des Strahlenbiologischen Instituts der Universität Zürich
(sie hatte sich den zehn Erstunterzeichneten in der späteren
Proklamation angeschlossen, wurde so die elfte),
** der Radiologe Prof. Dr. med. Georges CANDARDJIS,
Universität Lausanne (siehe unten mit vollem Text),
*** Bundesrat dipl. Ing. ETH Roger BONVIN,
damals schweizerischer
Energie-Minister.
Anlass zum letzten der obigen, zu meinem eigenen Poem waren:
„Zehn Radiologie-Professoren für den Kernkraftwerkbau
Bern, 17.Juli 1973 (sda)
Die Petition von Ärzten gegen das Projekt eines Kernkraftwerks
in Verbois (Kanton Genf) hat zehn Inhaber der Lehrstühle für
medizinische Radiologie an den Universitäten Genf, Lausanne,
Bern, Basel und Zürich veranlasst, die friedliche Verwendung
der Kernenergie zu Elektrizitätserzeugung in der Schweiz ausdrücklich
gutzuheissen. In ihrer Stellungnahme betonen die Professoren, sie
hätten bereits im April 1971 eine analoge Erklärung abgegeben.
Seither seien keine neuen Erkenntnisse gemacht worden, die ihr widersprechen
würden. In gleichem Sinne habe sich kürzlich auch die International
Commission on Radiological Protection, die höchste medizinische
Autorität auf dem Gebiet ionisierender Strahlung, geäussert.
Als unabhängige Wissenschafter auf dem Gebiete der ionisierenden
Strahlen und als Ärzte halten sich die unterzeichneten Professoren
für befugt, zur Frage allfälliger, mit der friedlichen Nutzung
der Kernenergie verbundener Strahlenrisiken eine wissenschaftlich
fundierte Aussage zu machen. Sie kommen zum Schluss, dass die zusätzliche
Strahlenbelastung in der Umgebung von Kernkraftwerken (weniger als
1 Prozent der natürlichen Strahlenbelastung) für die dort
lebende Bevölkerung und auch andere Lebewesen im Vergleich zur
übrigen Strahlenbelastung ‚überhaupt nicht ins Gewicht
fällt und keinerlei Gefahr darstellt’.
Die Erklärung ist von folgenden Persönlichkeiten unterzeichnet:
Prof. A. Zuppinger, Bern; Prof. G. Candardjis, Lausanne; Prof. R.
Fridrich, Basel; Prof. W. A. Fuchs, Bern; Prof. H. Hartweg, Basel;
Prof. W. Horst, Zürich; Prof. J.-P. Paunier, Genf; Prof.P. Veraguth,
Lausanne; Prof. J. Wellauer, Zürich; Prof. P. Wettstein, Genf."
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In der Schweizerischen Ärztezeitung (die SÄZ hat das Gedicht
von Chored nicht angenommen) vom 4.Juli 1973 schrieb einer der Zehn,
Prof. Georges CANDARDJIS:
„Bientôt quinquagénaire, je
ne suis probablement plus 'dans le vent’ et j’ai encore
la naïveté de penser que les commissions fédérales
de surveillance des eaux, de surveillance de la radioactivité,
de protection contre les radiations, de sécurité des
installations atomiques, sont composées de gens compétents
et dont je n’ai aucune raison de soupçonner la liberté
d’esprit et la parfaite intégrité. Cette opinion
a été renforcée par les contacts que j’ai
eu avec quelques-uns d’entre eux. Je constate d’autre
part que les avis de ces commissions suisses concordent avec ceux
des organismes similaires de tous les Etats où l’on emploie
l’énergie nucléaire ; USA, Grande Bretagne, France,
Allemagne, etc. J’ai quelque peine à croire que tous
ces fonctionnaires d’Etat soient uniformément idiots
ou ‘vendus’. Je m’en rapporte donc à eux
pour les questions que je ne connais pas très bien, car l’intuition
et le bon sens ne sont pas toujours suffisants. »
Ich habe gestaunt, als sogar die SVA, die Schweizerische Gesellschaft
für Atomenergie, mein Poem 10 Kleine Radiologen in ihr Bulletin
aufgenommen hatte.
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