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Als Gast im Festival Science et Cité 2001

14. Mai 2001 (aktualisiert am 5. Dezember 2001)

In Lörrach:

Im Programm Basel-Stadt des Festivals unter dem Motto Wissenschaft und Kultur lockte mich der Ausflug in die Stadtkirche von Lörrach zum Thema
"Ethik und Menschenbild: Eröffnung der Diskussionswoche durch Oberbürgermeisterin Gudrun Heute-Bluhm - Die Faszination des Machbaren - Einflüsse der Biotechnologie auf unser Menschenbild."

Etwa 80 Personen kamen in die Stadtkirche. Es entstand ein recht lebhafter Gedankenaustausch zwischen vorne (Podium) und Volk. Nicht auf das Thema will ich hier eingehen, sondern fragen, ob "ein Dialog über Grenzen und Möglichkeiten der Wissenschaft" (so der Sinn des Festivals) zustande kam. Mein Problem war mein Gehör im Widerhall des Kirchenraums. Doch nicht die Akustik allein erschwerte das Verstehen, auch das vielen Deutschen eigene gutturale Munkeln. Eine höher entwickelte Gesprächskultur könnte den Dialog fördern. Kontakt von Mensch zu Mensch entsteht über alle Sinne. Ar-ti-ku-lie-ren statt munkeln würde manches erleichtern; daran mangelt es weit herum. Manchmal dünkt mich, meine schwierigste Fremdsprache sei das Deutsch vieler Deutschen. Wir Schweizer haben den Vorteil, dass das Hochdeutsche eine Fremdsprache ist und wir auf Deutlichkeit achten müssen. (Anderseits sind viele Schweizer, wenn sie öffentlich reden, nicht imstande, Sätze ganz und zu Ende zu formulieren. Das ist ein Schulungsmangel, an dem auch ich leide.) Am Dialog sind auch die anderen Sinne beteiligt: das Auge (der Blick auf die Lippen und den Gesichtsausdruck), die Nase (im ungelüfteten Raum ist nicht gut reden), sogar die „Zunge“- eine Rede kann fad sein oder süss, gepfeffert oder bitter. -

In Basel:

Am folgenden Tag war mein Hörproblem behoben. Ich verstand jedes Wort aller Referenten ohne Mühe (2 von 6 waren Deutsche); sie alle artikulierten - nämlich in Basel zum Thema:
"Money makes the world go around! - Die Universität Basel verlässt ihren Elfenbeinturm. Wissenschaftler diskutieren in der lockeren Atmosphäre gemütlicher Lokale. Eintritt frei." So heisst es im Programmheft.

Das Lokal "Unternehmen Mitte" ist gemütlich, vollbesetzt, auch mit jungen Menschen. Das Podium begann, moderiert von Medan MEIER, dem Chefredaktor "Bilanz" (gestört nur durch laute Zwischenrufe und penetrantes Klatschen eines Pfeifenrauchers nach jedem Teilvotum oder mitten in Sätze). Nach 1½ Stunden Anhören des Podiums verlangte ich das Wort und sagte: Die Diskussion um das unerschöpfliche Thema Geld ist hochinteressant; Sie könnten es noch lang fortsetzen. Es gibt aber einen übergeordneten Titel zu diesem Festival, nämlich "Science et Cité". Jetzt redet Ihr da vorne, die Wissenschaft also, aber die Cité, die Gesellschaft bleibt stumm; ich hätte gern eine Frage an einen Referenten gerichtet. „Dann stellen Sie die Frage!“ (MEIER, ungeduldig). Ich tat es und erhielt Antwort. Ein weiterer Gast verlangte das Wort. Nach einigen Sätzen unterbricht ihn scharfer Kommandoton: „Stellen Sie Ihre Frage!“ Noch eine Wortmeldung, dann setzte der Moderator zum Abschliessen an, doch flogen weitere Hände hoch. Sie durften noch reden, wurden aber unterbrochen: „Ihre Frage, bitte!“ Nun ertrotzte ich zum zweiten Mal das Wort und sagte: Es ist eine verhärtete Tradition in Wissenschaftskreisen, dass das Publikum nur Fragen stellen und vom Experten die richtige Antwort entgegennehmen darf. Nicht erlaubt ist es eine Meinung zu sagen, nicht erlaubt, Laienwissen - solches gibt es! - vorzutragen. Soll das Dialog sein?

Medard MEIER hatte einleitend die Referenten begrüsst, kaum aber die Gäste. Sein Blick ins Volk war leer. Hat ihn die erwartungsvolle Gesellschaft gestört?

In Lörrach:

Noch einmal fuhr ich nach Lörrach, diesmal in den Burghof zum Abschluss des Festivals Science et Cité. Das Thema war "Wassermangel bedroht die Weltbevölkerung - Wasser - der Konfliktstoff des 21.Jahrhunderts - - - Wer regelt die Wasserversorgung? Darf Wasser in die Hände von privaten Konzernen gelangen? Ist Wasser ein öffentliches Gut und ein Grundrecht des Menschen?"
Einleitend BÄR (Rosmarie) gegen MUTZ (Dieter) zur Wasser-Not vieler Länder und über die Problematik einer Privatisierung (diese ginge in die Hand und Kontrolle von nur drei Grosskonzernen!, mahnt BÄR). Ein lebhaftes Gespräch von und mit den Gästen setzte ein. Die Tuareg sind weit weg, auch Usbekistan, Mexiko mit ihren Wasser-Nöten. Wir hier aber verschwenden Wasser. Wir müssten es als kostbares Gut begreifen lernen. Einer fragte, was kann ich tun? Er hat bereits etwas getan, nämlich gefragt. Ich mahnte, dass vieles schief läuft auf der Welt, solange oder weil wir nicht rebellieren, weil wir zu wenig fragen. 'Dumme' Fragen sind erst dann dumm, wenn wir sie nicht stellen.

Flüh, 14.Mai 2001