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Irgendwann im Frühling 1989 entworfen, doch auf Anraten von Freunden
in Verwahrung gehalten; fiktiv, aber heute (2002) kaum mehr so abwegig:
Die Erpressung
Vorbemerkung:
Die vier Zivilschutzaufgaben heissen (in Kurzform des Bundesamtes
für Zivilschutz in Bern, Plakat 103.2):
1) Schützen, Retten, Heilen
2) Verhinderung von Kriegen
3) Hilfeleistung bei Katastrophen
4) Minderung der Erpressungsgefahr.
Dass ich daran zweifle, ob der Zivilschutz die Aufgaben 1, 2 und 3
zu bewältigen vermöchte, das habe ich in "Rettet
die Schweiz - schafft die Armee ab" (hg. Hans A. PESTALOZZI,
Zytglogge 1982) und mehrfach in der „nux“ begründet.
Den Mechanismus, wie die ZS-Konzeptanten sich Aufgabe 4 vorstellen,
habe ich ganz einfach nicht begriffen. Wie denn sollen ein möglicher
Erpresser, sei er ein Staat, ein Chaot, ein Terrorist, eine Terroristin,
oder eine Gruppe vor einer solchen Tat zurückschrecken, wenn
ihnen versichert wird, dass die Schweiz eine („dissuasive“)
Armee hat und einen Zivilschutz, bei dem sich die Leute vor drohender
Gefahr in Schutzräume verkriechen? Offenbar hat mir die Phantasie
gefehlt, mir solche Geschehen und Überlegungen vorzustellen.
Ich probiere es jetzt, wie es in Fiction Literatur der Brauch ist,
mit dem Anfang zur Story einer gegen die Schweiz gerichteten Erpressung.
Zwei Dinge stelle ich voran. Beide sind Erfahrungsgut und heutige
Wirklichkeit: Das eine: Terroristen sind oft schlauer und einfallsreicher
als etablierte Ingenieure, Sicherheits-Funktionäre, Strategen
oder Politiker.
Das andere: Die Schändung der Erde ist so weit fortgeschritten,
dass viele Menschen von einer Oeko-Verzweiflung erfasst sind - ob
sie den Zustand nun kennen oder nur ahnen - und keine Lebensaussichten
mehr sehen. Sie erkennen, dass was politisch-gesellschaftlich dagegen
unternommen wird (ohne dass etwas passiert), sie und die Welt nicht
retten kann. Wie sich Verzweiflung Luft schafft, in welche Formen
und Handlungen sie ausmündet, das zu beschreiben ist Sparte von
Gesellschaftspsychologen. Eine Umsetzung
ist bekanntlich die harte Tour, die Gewalt, unser Beispiel also, Erpressung.
Zur Illustration zitiere ich aus "Bürger-initiative gegen
Atomgefahren" Wien 2/87,1:
„ Iran
droht mit Terrorangriff auf Atomreaktoren in USA'
... Amerika könnte Schwierigkeiten bekommen. 'Amerikanische Atomzentren
und Atomreaktoren sind noch viel verwundbarer als unsere Raketenstellungen',
erklärte gestern Nachmittag Radio Teheran, 'unsere Gegenschläge
auf amerikanischem Boden werden furchtbar und nicht kontrollierbar
sein'.“ (Krone 10.6.1987)
Ich wiederhole und betone: Was nun folgt, ist ein Denkmodell, das
uns helfen kann, uns eine Erpressung der Schweiz vorzustellen. Gerade
für unsere oft verhängnisvoll phantasielosen verantwortlichen
Politiker, Armee- und Zivilschutz-Strategen erscheint mir eine solche
Gedankenübung dringend erforderlich. Bis jetzt habe ich vergeblich
versucht, den Bedrohungsgrad eines im Stich gelassenen oder unzugänglich
gemachten Atomreaktors zur Diskussion zu stellen. Die Antwort darauf
war die paratte'sche Weigerung (Projektleiter Jean-Marie PARATTE,
EIR Würenlingen, siehe nux-19): So etwas
darf nicht passieren; diese Eventualität prüfen wir gar
nicht. Die seit Tschernobyl ins Blaue gesteigerte Verbrämung
angeblicher Sicherheit westlicher Reaktoren kann Terroristen zu harmlosen
Vorstellungen von Folgen geplanter Aktionen verleiten. Nun die mögliche
Aktion, hier einsehbar als Erpress-Brief.pdf
Konradin Kreuzer
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